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Seitan Pazar in Preveza – eine kleine Gasse mit viel Geschichte

vor 7 Stunden
5 Min. Lesezeit
Steingepflasterte Gasse im historischen Viertel Seitan Pazar in Preveza mit bunten Tischen und Stühlen unter blühender Bougainvillea und Rankpflanzen.


Ein paar Meter, die sich anders anfühlen


Seitan Pazar wirkt schon nach wenigen Schritten anders als die Straßen rundherum. Die Gasse ist nur rund 100 Meter lang, und trotzdem hat sie einen ganz eigenen Charakter.


Unter den Rankpflanzen, die sich wie ein grünes Dach über den Weg ziehen, liegt die Gasse fast durchgehend im Schatten. Kleine Geschäfte, einfache Kafenia, Tavernen und Dienstleister wechseln sich ab, ohne dass eine Seite den Ort bestimmt. Gerade dieses Gleichgewicht macht viel von seiner Atmosphäre aus.


Manche Geschäfte gibt es hier schon sehr lange, andere passen sich ganz selbstverständlich dazwischen. Obwohl wir oft durch Seitan Pazar laufen, entdecken wir fast jedes Mal irgendein Detail, das uns vorher nicht aufgefallen ist.


Für einen kurzen Moment hat man hier tatsächlich das Gefühl, dass die Zeit ein wenig stehen geblieben ist.



Kurzinfo: Seitan Pazar in Preveza


Ort: Historisches Zentrum von Preveza, Epirus

Ideal für: Stadtgeschichte, kleine Geschäfte, Kafenia, Tavernen, Fotografie und einen ruhigen Spaziergang

Gut zu wissen: Seitan Pazar ist nur ein kurzer Straßenzug, gehört aber zu den geschichtsträchtigen Ecken der Altstadt.

Beste Zeit: Eigentlich zu jeder Tageszeit. Besonders angenehm ist die Gasse an warmen Tagen, weil die Pflanzen über der Straße viel Schatten spenden.

Unfiltered Tipp: Nicht einfach nur hindurchlaufen. Gerade die kleinen Schaufenster, alten Fassaden und unscheinbaren Details machen einen großen Teil des Reizes aus.

Standort: Seitan Pazar in Preveza – auf Google Maps ansehen





Woher kommt der Name Seitan Pazar?


Die bekannteste Geschichte über die Gasse beginnt mit Seife.


Der Überlieferung nach war ein osmanischer Kommandant bei den Bewohnern des Viertels wenig beliebt. Eines Nachts sollen sie das steile Kopfsteinpflaster mit Seife eingerieben haben. Als der Mann am nächsten Tag mit seinem Pferd durch die Straße ritt, soll das Tier ausgerutscht sein. Daraufhin habe er „Seitan Pazar!“ gerufen – sinngemäß etwa „Teufelsmarkt“.


Diese Geschichte wird bis heute in Preveza erzählt und auch von der Stadt selbst als lokale Überlieferung wiedergegeben.


Es gibt allerdings verschiedene Varianten. In einer älteren volkskundlichen Darstellung sollen die Bewohner die Pflastersteine nicht nur einmal, sondern wiederholt eingeschmiert haben, damit osmanische Soldaten mit ihren genagelten Schuhen darauf ausrutschten. Erst später sei auch der Kommandant selbst betroffen gewesen.


Welche Version der tatsächlichen Geschichte am nächsten kommt, lässt sich heute kaum feststellen. Dass die Erzählung zum Seitan Pazar gehört, steht dagegen außer Frage.



Drei Tafeln erinnern an die alte Geschichte


An der Gasse erinnern Marmortafeln an die Geschichte mit der Seife.


Die Idee dazu wird Babis Tsokas zugeschrieben, einem aus Preveza stammenden Regisseur, der mit diesem Teil der Stadt eng verbunden ist. Umgesetzt wurden die Darstellungen vom schwedischen Bildhauer Torgny Larsson.


Die Tafeln passen gut an diesen Ort. Sie greifen eine Geschichte auf, die wahrscheinlich niemand mehr vollständig überprüfen kann und die dennoch längst Teil der Identität der Gasse geworden ist.




Früher Markt, Kaffeehäuser und Musik


Seitan Pazar war nicht immer nur die kleine Gasse mit Tavernen und Geschäften, die man heute sieht.


Historische und ethnomusikologische Forschungen beschreiben diesen Teil von Preveza als Markt- und Vergnügungsviertel. Spätestens gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier zahlreiche Kaffeehäuser und Lokale, in denen auch Musik eine wichtige Rolle spielte.


Zu den damaligen Formen von Musiklokalen gehörten sogenannte Café Aman und Café Chantant, wie man sie auch aus anderen Städten des östlichen Mittelmeerraums kannte.


Zeitgenössische Beschreibungen zeichnen ein Bild von Kaffeehäusern, in denen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammenkamen und verschiedene musikalische Einflüsse nebeneinander zu hören waren. Osmanisch und orientalisch geprägte Musik traf auf griechische Lieder und europäische Stücke.


Das passt gut zu Preveza als Hafenstadt, in der über lange Zeit Menschen, Waren und kulturelle Einflüsse aus verschiedenen Richtungen zusammenkamen.


Heute ist von dieser Musikszene kaum noch etwas unmittelbar zu erkennen. Die Mischung aus Kafenia, Tavernen und kleinen Geschäften bekommt durch diese Geschichte jedoch noch einmal einen anderen Hintergrund.



Ein Osterbrauch mitten in der Gasse


Auch am Karsamstag spielt Seitan Pazar eine besondere Rolle.


Wenn am Morgen die Glocke zur Ersten Auferstehung läutet, werden im Seitan Pazar Tongefäße auf dem Pflaster zerschlagen. Der Brauch wird in Preveza heute an mehreren Stellen im historischen Zentrum gepflegt, ist aber besonders eng mit Seitan Pazar verbunden.


Über seine genaue Herkunft gibt es unterschiedliche Erklärungen.


Häufig wird erzählt, dass der Lärm bereits in osmanischer Zeit eine symbolische Bedeutung hatte. Lokalhistorische Untersuchungen weisen allerdings auch auf ältere Traditionen hin und sehen Verbindungen zur venezianischen Zeit und zu ähnlichen Osterbräuchen auf den Ionischen Inseln.


Wie bei der Geschichte mit der Seife ist auch hier die Herkunft weniger eindeutig, als es manche kurze Erklärung vermuten lässt.



Kostas Karyotakis ganz in der Nähe


Nur wenige Schritte von Seitan Pazar entfernt steht auf der kleinen Platia Dardanellion die Büste von Kostas Karyotakis.


Der Dichter lebte während seiner letzten Wochen in Preveza in unmittelbarer Nähe. Sein damaliges Wohnhaus befindet sich ebenfalls in diesem Bereich der Altstadt.


Auch dadurch ist dieser kleine Teil der Stadt mit einem weiteren Kapitel der Geschichte Prevezas verbunden.




Theofilos, Kiki und der Film „Thysia“


Seit 2024 erinnert ein weiteres kleines Denkmal im Seitan Pazar an Theofilos Papageorgiou und Kiki Kastani.


Die beiden jungen Menschen aus Preveza waren ein Paar, doch der Zweite Weltkrieg verhinderte ihre gemeinsame Zukunft. Theofilos, ein Philologe, fiel 1940 an der Front. Kiki kam wenige Monate später während eines Luftangriffs auf Preveza ums Leben.


Ihre Geschichte steht im Mittelpunkt des Films „Thysia“. Der Regisseur Babis Tsokas wuchs selbst im Seitan Pazar auf, und ein großer Teil des Films wurde genau hier gedreht.


Dadurch bekommt das Denkmal einen sehr direkten Bezug zum Ort. Es erinnert nicht einfach irgendwo in Preveza an zwei Menschen, sondern steht in einer Gasse, die mit der Geschichte des Regisseurs, des Films und der Stadt eng verbunden ist.



Kleine Geschäfte, Kafenia und das Leben in der Gasse


Trotz all dieser Geschichten wirkt Seitan Pazar heute nicht wie ein historischer Schauplatz, der nur noch von seiner Vergangenheit lebt. Zwischen den historischen Spuren wird gearbeitet, eingekauft, Kaffee getrunken und gegessen.


Menschen sitzen in den Kafenia oder Tavernen, erledigen etwas in einem kleinen Laden oder laufen einfach auf dem Weg durch die Altstadt hindurch. Einige Geschäfte wirken fast so klein, als würden sie nur aus einem einzigen Raum und einem Schaufenster bestehen.


Zu ihnen gehört auch ein traditioneller Barbierladen mit einer besonders langen Geschichte. Er gilt als der älteste noch betriebene Friseurladen Griechenlands; je nach Quelle reicht seine Geschichte bis 1919 oder 1920 zurück. Über der Tür erinnert noch heute die alte Beschilderung an diese Vergangenheit. Dass hier weiterhin Haare geschnitten werden, passt gut zu dem Eindruck, den die gesamte Gasse vermittelt: Altes ist nicht nur erhalten geblieben, sondern gehört weiterhin zum täglichen Leben.


Gerade diese Mischung gefällt uns besonders. Der Seitan Pazar wirkt nicht wie ein Ort, der nur für Besucher herausgeputzt wurde. Geschäfte, Dienstleister und Lokale gehören hier ganz selbstverständlich nebeneinander.


Und obwohl wir oft hier entlanggehen, fällt uns immer wieder etwas auf, das wir vorher übersehen haben: eine Tür, ein altes Schild, ein kleines Schaufenster oder irgendein Detail an einer Fassade.




Viele Geschichten auf engem Raum


Seitan Pazar wird oft auf die Geschichte mit dem eingeseiften Pflaster reduziert. Sie gehört unbedingt hierher, aber sie erzählt nur einen Teil.


Auf engem Raum treffen Geschichten aus osmanischer Zeit, alte Kaffeehaus- und Musikkultur, Literatur, Ostertraditionen, Kriegserinnerungen und das heutige Leben der Gasse aufeinander.


Gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur wegen der bekannten Erzählung hierherzukommen.


Für uns ist Seitan Pazar einer dieser Orte in Preveza, die klein wirken und trotzdem erstaunlich viel erzählen.



Praktische Hinweise für deinen Besuch


Lage: Seitan Pazar liegt mitten im historischen Zentrum von Preveza und lässt sich sehr gut mit einem Spaziergang durch die Altstadt verbinden.

Zeit einplanen: Für die Gasse selbst braucht man nicht lange. Wer sich die kleinen Geschäfte, Tafeln und Details ansehen oder in einem Kafenio beziehungsweise einer Taverne sitzen möchte, bleibt meistens automatisch länger.

Karsamstag: Wer zu Ostern in Preveza ist, erlebt Seitan Pazar noch einmal ganz anders. Am Morgen des Karsamstags gehört das Zerschlagen der Tongefäße zu den bekannten Traditionen des Viertels.



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