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1880 an der Fassade – das Handelshaus Kavagias in Preveza

11. Sept.
4 Min. Lesezeit


Eine alte Inschrift in der Bizaniou


Wer öfter zu Fuß durch Preveza unterwegs ist, entdeckt mit der Zeit immer wieder Details, die vorher einfach untergegangen sind. Eine alte Inschrift über einer Tür, ein zugemauertes Fenster oder ein Haus, bei dem man sich plötzlich fragt, wie es wohl früher einmal ausgesehen hat.


Uns geht es in Preveza immer wieder so. Manche Straßen sind längst vertraut und trotzdem fällt beim nächsten Spaziergang etwas auf, das vorher kaum Beachtung gefunden hat. In der Bizaniou stehen mehrere ältere Gebäude, die heute leer sind und an deren Fassaden die Zeit deutliche Spuren hinterlassen hat. Ihre Größe, die alten Türen und einzelne erhaltene Details lassen noch erkennen, dass sie einmal eine ganz andere Rolle in dieser Straße gespielt haben.


Bei einem dieser Häuser blieb unser Blick an einer Inschrift oberhalb des Vordachs hängen:


„1880 ΥΙΟΙ Γ. ΚΑΒΑΓΙΑ 1880“


Zunächst hielten wir die Jahreszahl ganz selbstverständlich für das Baujahr. Bei der Suche nach der Geschichte des Hauses zeigte sich allerdings, dass die 1880 etwas anderes erzählt.



Kurzinfo: Handelshaus Kavagias in Preveza


Ort: Preveza, Epirus

Ideal für: Stadtspaziergänge, alte Fassaden und lokale Geschichte

Gut zu wissen: Die Jahreszahl 1880 erinnert an die Gründung des Handelshauses Kavagias. Das heute erhaltene Gebäude stammt aus dem Jahr 1922.

Beste Zeit: Tagsüber, wenn Inschrift und Details der Fassade gut zu erkennen sind

Unfiltered Tipp: Nicht nur die Aufschrift lohnt einen Blick. Mit etwas Abstand wird auch deutlich, wie groß das ehemalige Geschäftshaus ist.

Standort: Bizaniou 11, Preveza – auf Google Maps ansehen



Das Handelshaus Kavagias


Georgios Kavagias machte sich 1880 in Preveza selbstständig und gründete ein Unternehmen für Import, Export und allgemeinen Handel. Später führten seine Söhne Spyridon, Nikolaos, Thomas und Pantelis das Geschäft weiter. „ΥΙΟΙ Γ. ΚΑΒΑΓΙΑ“ bedeutet entsprechend „Söhne des G. Kavagias“.


Das heute erhaltene Gebäude entstand erst später. Nach einer aufgezeichneten Erinnerung aus der Familie wurde 1922 ein Grundstück erworben, auf dem der große Geschäftskomplex entstand. Auch im offiziellen Register für geschützte Gebäude wird 1922 als Baujahr geführt. Die Jahreszahl an der Fassade verweist also auf die Gründung des Unternehmens und nicht auf das Alter des Hauses.


In der Zwischenkriegszeit arbeiteten dort rund 18 Menschen. Verkauft wurden unter anderem Stoffe und Kurzwaren, Lebensmittel, Leder, Eisen- und Glaswaren. Zum Unternehmen gehörte außerdem eine Werkstatt, in der Tsarouchia, die traditionellen griechischen Schuhe, hergestellt wurden.


Das Geschäft beschränkte sich längst nicht mehr auf Preveza. Historische Unterlagen nennen Warenlager in Lefkada und Parga sowie Vertreter in verschiedenen Städten von Epirus. Kavagias vertrat andere Unternehmen und war zeitweise auch im Bank- und Versicherungsgeschäft tätig.


Wenn wir heute an der langen geschlossenen Fassade entlanggehen, ist davon kaum noch etwas zu erkennen. Mit der Geschichte im Hinterkopf bekommt aber auch die Größe des Gebäudes einen anderen Zusammenhang.



Geschäft, Lager und Han


Zum Handelshaus gehörte noch ein weiterer Teil des Komplexes: ein Han, auf Griechisch χάνι. Nach der Erinnerung eines Enkels der Familie umfasste das eigentliche Geschäft ungefähr 400 Quadratmeter, weitere rund 400 Quadratmeter gehörten zum Han.


Ein Han war damals nicht einfach ein Hotel. Menschen, die aus dem Umland nach Preveza kamen, konnten dort übernachten, Tiere unterbringen und Waren lagern. In dem Bereich zwischen der Bizaniou und dem damaligen Karydas-Bach lagen mehrere solcher Hane, darunter auch der Han der Familie Kavagias.


Dieser Teil der Stadt war eng mit dem Handel und dem Verkehr aus dem Hinterland verbunden. Vor dem Zweiten Weltkrieg fuhren von hier Lastwagen ab, deren Strecken sogar bis nach Albanien führten. Waren wurden angeliefert, gelagert, verkauft und weitertransportiert. Geschäft und Han gehörten dabei unmittelbar zusammen.


Dieser Teil der Geschichte hat auch unseren Blick auf das Haus verändert. Was heute wie eine lange Reihe geschlossener Türen wirkt, gehörte einmal zu einem Handelsplatz, an dem Menschen und Waren aus verschiedenen Teilen der Region zusammenkamen.



Was heute davon zu sehen ist


Wann das Handelshaus endgültig geschlossen wurde, konnten wir anhand der bisher gefundenen Quellen nicht zuverlässig feststellen. Noch in den 1930er-Jahren ist seine Geschäftstätigkeit belegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten sich die Handelswege, und auch die frühere Bedeutung Prevezas als Verbindung zwischen Seehandel und Hinterland nahm ab.


Das Gebäude an der Bizaniou ist geblieben und steht seit 1987 offiziell unter Schutz. Heute ist es leer, und wie bei einigen anderen älteren Häusern in dieser Straße sind die Spuren des fortschreitenden Verfalls nicht zu übersehen. Warum das Gebäude bis heute ungenutzt ist und wie es mit ihm weitergeht, konnten wir nicht verlässlich herausfinden.


Bei unseren Spaziergängen durch Preveza sind es oft solche Häuser, die erst nach und nach auffallen. Man kennt die Straße längst und bemerkt irgendwann eine Jahreszahl, einen alten Schriftzug oder ein Detail an einer Fassade, an dem man vorher einfach vorbeigegangen ist.


Beim Kavagias-Haus führte eine solche kleine Beobachtung zu einem Handelshaus mit rund 18 Beschäftigten, Lagern außerhalb Prevezas, Verbindungen in verschiedene Teile von Epirus und einem eigenen Han. Die alte Aufschrift an der Fassade wirkt danach anders als vorher. Sie ist eines der wenigen sichtbaren Zeichen einer Zeit, in der dieser Abschnitt der Bizaniou zum Handelsleben der Stadt gehörte.


Solche Fassaden fallen gerade deshalb auf, weil zwischen Leerstand und Verfall noch genug von ihrer früheren Bedeutung sichtbar geblieben ist.



Praktische Hinweise für deinen Besuch


Besichtigung: Das ehemalige Handelshaus Kavagias ist kein Museum oder klassisches Ausflugsziel. Die historische Fassade und die alte Aufschrift lassen sich von der Straße aus ansehen.

Lage: Das Gebäude steht in der Bizaniou im Zentrum von Preveza und lässt sich gut bei einem Spaziergang durch die Stadt mitnehmen.

In der Umgebung: In derselben Straße stehen weitere ältere Gebäude und Fassaden, bei denen sich ebenfalls ein genauerer Blick lohnt.



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