Agios Charalambos und der venezianische Uhrturm von Preveza
Aktualisiert: vor 7 Tagen
Ein Ort, an dem wir ständig vorbeikommen
Es gibt Orte, die man bei einem Besuch in einer Stadt ganz bewusst sucht.
Und dann gibt es Orte, die irgendwann einfach dazugehören.
Die Kirche Agios Charalambos mitten in der Altstadt von Preveza ist für uns so ein Ort. Wir kommen regelmäßig hier vorbei, wenn wir durch die Fußgängerzone laufen. Direkt nebenan steht der venezianische Uhrturm, und nur wenige Schritte entfernt liegt eines unserer Lieblingscafés.
Besonders samstags führt uns unser Weg oft hierher. Nach dem Einkauf auf dem Wochenmarkt fahren wir in die Altstadt, trinken einen Kaffee und schlendern noch ein wenig durch die Straßen.
So wurden die Kirche und der Uhrturm für uns mit der Zeit weniger zu einer Sehenswürdigkeit und mehr zu einem Teil unseres ganz normalen Preveza.
Dabei lohnt es sich, hier einmal genauer hinzusehen.
Denn zwischen Cafés, Geschäften und dem täglichen Treiben der Altstadt stehen eine Kirche und ein Uhrturm, deren Geschichte mehrere Jahrhunderte zurückreicht.
Kurzinfo: Agios Charalambos in Preveza
Ort: Altstadt von Preveza, Epirus, im Nordwesten Griechenlands
Ideal für: Geschichte, Kirchenarchitektur, Fotografie, venezianische Spuren und kleine historische Details
Gut zu wissen: Agios Charalambos ist die Metropolitankirche von Preveza und dem Schutzpatron der Stadt gewidmet. Direkt neben der Kirche steht der venezianische Uhrturm von 1792, der heute zu den markantesten Bauwerken der Altstadt gehört.
Beste Zeit: Morgens oder am späteren Nachmittag, wenn es in der Fußgängerzone etwas ruhiger ist und das Licht Kirche und Uhrturm schön zur Geltung bringt.
Unfiltered Tipp: Nicht nur den Uhrturm fotografieren. Ein Blick in die Kirche lohnt sich ebenso – und an der östlichen Außenseite gibt es mit einem in die Brunnenanlage integrierten Teil eines römischen Sarkophags aus Nikopolis ein ungewöhnliches Detail zu entdecken, an dem man leicht vorbeigeht.
Standort: Agios Charalambos und venezianischer Uhrturm in Preveza auf Google Maps ansehen
Die Kirche des Schutzpatrons von Preveza
Agios Charalambos ist nicht irgendeine Kirche in Preveza.
Sie ist die Metropolitankirche der Stadt und dem heiligen Charalambos gewidmet, der als Schutzpatron von Preveza verehrt wird.
Die heutige Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde vermutlich an der Stelle eines älteren Gotteshauses errichtet. Von außen wirkt sie zunächst vergleichsweise zurückhaltend – besonders neben dem hohen Uhrturm, der den Platz deutlich stärker prägt.
Im Inneren zeigt sich ein anderes Bild.
Ein reich geschnitztes hölzernes Ikonostasion, alte Ikonen und Malereien erzählen von unterschiedlichen Epochen und künstlerischen Einflüssen. Einige Werke stammen bereits aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Spätere Wand- und Deckenmalereien zeigen Einflüsse der Kunst der Ionischen Inseln und westlicher Malerei.
Es ist einer dieser Orte, bei denen man von außen kaum ahnt, wie viele Details sich im Inneren verbergen.
Warum Agios Charalambos für Preveza eine besondere Bedeutung hat
Die enge Verbindung zwischen dem Heiligen und der Stadt reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.
Damals wurde Preveza von einer schweren Epidemie getroffen.
Nach lokaler religiöser Überlieferung wandten sich die Einwohner an Agios Charalambos und ließen eine Reliquie des Heiligen aus dem Kloster Agios Stefanos bei Meteora nach Preveza bringen. Sie wurde in der Kirche aufgestellt und anschließend in einer Prozession durch die Stadt getragen.
Der Überlieferung zufolge endete die Epidemie kurze Zeit später.
Seit 1854 wird Agios Charalambos als Schutzpatron von Preveza verehrt.
Bis heute ist diese Verbindung lebendig. Jedes Jahr am 10. Februar feiert die Stadt ihren Schutzpatron mit Gottesdiensten und religiösen Feierlichkeiten.
Damit ist Agios Charalambos nicht einfach nur eine historische Kirche.
Sie gehört noch immer zum Leben der Stadt.
Ein venezianischer Uhrturm mitten in der Altstadt
Direkt neben der Kirche steht eines der auffälligsten Bauwerke im Zentrum von Preveza.
Der venezianische Uhrturm wurde 1792 errichtet, zu einer Zeit, als Preveza unter venezianischer Herrschaft stand.
Lange Zeit wurde die beschädigte Jahreszahl einer Inschrift am Turm als 1752 gelesen – eine Datierung, die deshalb bis heute auf einigen Webseiten zu finden ist. Neuere historische Forschungen konnten jedoch zeigen, dass der Turm 1792 fertiggestellt wurde. Dazu passen auch die Amtszeit des venezianischen Provveditore Alessandro Semitecolo und die bereits 1791 in Venedig gefertigte Glocke des Uhrturms.
Wer heute durch die Fußgängerzone läuft, sieht ihn schon aus einiger Entfernung zwischen den Häusern aufragen. Seine Uhr gehört längst zum vertrauten Bild der Altstadt.
Doch ein kleines Detail wird leicht übersehen.
Am Turm befindet sich auch eine Sonnenuhr.
Gerade solche Dinge mögen wir an Preveza. Man kann unzählige Male an einem Gebäude vorbeigehen und trotzdem irgendwann etwas entdecken, das man vorher nie wahrgenommen hat.
Auch der Turm selbst sah nicht immer so aus wie heute. Historische Aufnahmen zeigen ihn in einer früheren Form. Der Glockenaufbau, der heute das Erscheinungsbild prägt, kam erst später hinzu.
Kirche und Turm wirken deshalb heute wie ein selbstverständlich zusammengehörendes Ensemble.
Tatsächlich ist ihr heutiges Erscheinungsbild über lange Zeit gewachsen.
Ein Stück Nikopolis in der Kirche
Eine der ungewöhnlichsten Entdeckungen befindet sich nicht im Inneren der Kirche, sondern an ihrer Außenseite.
An der östlichen Außenseite der Kirche wurde ein Teil eines römischen Sarkophags aus Nikopolis in die Mauer integriert und als Brunnen genutzt. Das antike Relief ist noch heute deutlich zu erkennen.
Fast zwei Jahrtausende Geschichte treffen hier auf erstaunlich kleinem Raum zusammen.
Nur wenige Kilometer entfernt liegen die Ruinen der römischen Stadt Nikopolis. Mitten im heutigen Preveza findet sich ein Stück dieser antiken Vergangenheit plötzlich in der Mauer einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert wieder.
Es ist kein monumentales Ausstellungsstück und leicht zu übersehen.
Vielleicht macht gerade das dieses Detail so interessant.

Eine Kirche mit sichtbaren Spuren ihrer Geschichte
Auch Agios Charalambos selbst hat im Laufe der Jahrhunderte einiges erlebt.
Während der gewaltsamen Ereignisse von 1798, die in der Geschichte der Stadt als Χαλασμός της Πρέβεζας – die Zerstörung von Preveza – bekannt sind, wurde die Kirche beschädigt.
Später wurde sie wiederhergestellt.
Im Oktober 1924 brach schließlich ein schwerer Brand in der Kirche aus. Selbst davon sind Spuren erhalten geblieben. Eine historische Ikone des Agios Charalambos weist noch heute Beschädigungen auf, die mit diesem Brand in Verbindung gebracht werden.
Auch im Vorhof lohnt sich ein genauer Blick.
Links vom Haupteingang erinnern zwei in die Wand eingelassene Marmorplatten an Theodoros A. Varzelis und Ambrosios I., Metropolit von Nikopolis. Beide wurden ursprünglich im Vorhof der Kirche bestattet. Ihre einstigen Marmorgräber verschwanden bei einer späteren Pflasterung des Hofes, die Grabinschriften blieben jedoch erhalten.
Heute fallen vor allem die Darstellungen auf den beiden Platten ins Auge: Auf einer ist eine trauernde Frauenfigur zu sehen, auf der anderen erinnern Bischofsstab und Mitra an das kirchliche Amt von Ambrosios I.
Auch am Eingang versteckt sich ein weiteres Detail. Im schmiedeeisernen Tor findet sich der gekrönte byzantinische Doppeladler – ein Symbol, das eng mit der byzantinischen Tradition verbunden ist und bis heute in der orthodoxen Kirche verwendet wird.
Solche Details verändern den Blick auf einen Ort.
Plötzlich sind die alten Ikonen, das Holz, die Mauern und selbst die unscheinbaren Steinplatten im Vorhof nicht mehr einfach nur historische Überreste. Sie erzählen von Menschen und Ereignissen, die mit diesem Ort verbunden waren.
Mitten im Alltag von Preveza
Vielleicht gefällt uns Agios Charalambos gerade deshalb so gut.
Die Kirche steht nicht abgeschieden hinter hohen Mauern und auch nicht irgendwo außerhalb der Stadt.
Sie steht mitten im Leben.
Menschen laufen mit Einkaufstüten vorbei. In den Cafés ringsherum sitzen Gäste bei Kaffee oder Frühstück. In den umliegenden Geschäften werden alltägliche Besorgungen erledigt, und abends füllen sich die Gassen mit Menschen auf dem Weg in die Tavernen.
Und dazwischen stehen seit Jahrhunderten die Kirche und der alte Uhrturm.
Man muss nicht einmal gezielt hierherkommen, um sie zu entdecken.
Wer durch die Altstadt von Preveza schlendert, läuft früher oder später fast automatisch an ihnen vorbei.
Manchmal lohnt sich der zweite Blick
Wir selbst sind oft genug an Agios Charalambos vorbeigelaufen, ohne über all diese Geschichten nachzudenken.
Der Uhrturm war einfach der Uhrturm. Die Kirche gehörte zum Platz. Und meistens waren wir gerade auf dem Weg irgendwohin – zum Kaffee, zur Marina oder für eine der alltäglichen Erledigungen, die uns immer wieder durch die Altstadt führen.
Erst wenn man beginnt, sich mit einem solchen Ort zu beschäftigen, verändert sich der Blick.
Plötzlich entdeckt man die Sonnenuhr am Turm. Man erfährt von einem römischen Sarkophag aus Nikopolis in der Kirchenmauer. Von einer Epidemie im 19. Jahrhundert, einem Brand im Jahr 1924 und davon, warum Agios Charalambos für die Menschen in Preveza bis heute eine besondere Bedeutung hat.
Und beim nächsten Vorbeigehen sieht derselbe Platz ein kleines bisschen anders aus.
Genau solche Orte machen das Erkunden von Preveza für uns interessant.
Manchmal muss man keine neue Sehenswürdigkeit finden.
Man muss nur bei einer bekannten etwas genauer hinsehen.
Praktische Hinweise für deinen Besuch
Agios Charalambos liegt mitten in der Altstadt von Preveza und lässt sich problemlos bei einem Spaziergang durch das Zentrum besuchen. Die Kirche befindet sich direkt an der Fußgängerzone und ist von Cafés, kleinen Geschäften und Restaurants umgeben.
Zeit einplanen: Für Kirche und Uhrturm braucht man nicht viel Zeit. Wer sich das Innere der Kirche und die kleinen Details rund um das Gebäude genauer ansehen möchte, sollte etwa 20 bis 30 Minuten einplanen.
Öffnungszeiten: Da Agios Charalambos eine aktive Kirche ist, können die Öffnungszeiten variieren und sich nach Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen richten. Wer die Kirche auch von innen sehen möchte, sollte deshalb damit rechnen, dass sie nicht zu jeder Tageszeit zugänglich ist.
Kirchenbesuch: Agios Charalambos ist eine aktive orthodoxe Kirche und kein Museum. Beim Betreten sollte man auf angemessene Kleidung achten und während Gottesdiensten oder religiösen Feierlichkeiten entsprechend Rücksicht nehmen. Wer im Inneren fotografieren möchte, sollte vorher darauf achten, ob dies erlaubt und in der jeweiligen Situation angemessen ist.
Uhrturm: Nicht nur auf die große Uhr achten. Am venezianischen Turm befindet sich auch eine Sonnenuhr, die beim Vorbeigehen leicht übersehen wird.
10. Februar: Am Festtag des Agios Charalambos wird der Schutzpatron von Preveza besonders gefeiert. Wer zu dieser Zeit in der Stadt ist, erlebt den Ort deutlich anders als an einem gewöhnlichen Tag.
Verbindung mit der Altstadt: Der Besuch lässt sich sehr gut mit einem Spaziergang durch die umliegenden Gassen verbinden. Auch die Hafenpromenade und die Marina lassen sich von hier aus gut zu Fuß erreichen.
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