top of page

Meganisi – kleine Insel im Ionischen Meer

6. Sept.
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Sept.

Bucht von Vathy auf der griechischen Insel Meganisi mit blauem Wasser, grünen Hängen und Bergen im Hintergrund.


Eine kleine Insel, die schnell vertraut wirkt


Meganisi liegt nur eine kurze Fährfahrt von Lefkada entfernt und wirkt trotzdem erstaunlich weit weg vom Trubel der größeren Nachbarinsel. Schon bei der Überfahrt verändert sich das Tempo. Die Küste kommt langsam näher, kleine Buchten werden sichtbar und irgendwann legt die Fähre in Spilia an.


Die Insel ist klein, die Wege sind kurz und vieles wirkt schnell vertraut. Wer ein paar Tage bleibt, begegnet immer wieder denselben Gesichtern, fährt dieselben schmalen Straßen entlang und findet meist schon nach kurzer Zeit seine eigenen Lieblingsplätze.


Darin liegt ein großer Teil des Reizes von Meganisi. Es braucht kein dichtes Programm und keine lange Liste von Sehenswürdigkeiten. Ein kleiner Motorroller reicht oft schon, um zwischen den Dörfern, Stränden und der Küste unterwegs zu sein, irgendwo anzuhalten und den Tag einfach langsam werden zu lassen.


Vathy liegt tief in einer geschützten Bucht, mit kleinen Lokalen direkt am Wasser. Spartochori öffnet den Blick über das Meer und die vorgelagerten Inseln, während sich hinter den Aussichtspunkten schmale Gassen durch das Dorf ziehen. Katomeri wirkt im Kern dichter und enger gebaut, stellenweise fast verschachtelt, hat aber dadurch seinen ganz eigenen Charakter.


Meganisi ist keine Insel, die sofort mit großen Sehenswürdigkeiten beeindruckt. Vieles erschließt sich erst nach und nach – über die kurzen Wege, die kleinen Strände, die Dörfer und dieses Gefühl, dass man sich schon nach wenigen Tagen erstaunlich gut auskennt.



Kurzinfo: Meganisi


Ort: Ionische Inseln, unmittelbar östlich von Lefkada

Ideal für: Ruhige Urlaubstage, kleine Strände, Fahrten mit dem Motorroller, Dorfspaziergänge, Schwimmen, Segeln und Bootsausflüge

Gut zu wissen: Meganisi ist nur etwa 22,4 Quadratkilometer groß, besitzt durch seine stark gegliederte Küste aber mehr als 30 Kilometer Küstenlinie. Die drei Hauptorte sind Vathy, Spartochori und Katomeri.

Beste Zeit: Frühsommer und September sind besonders angenehm, wenn man die Insel etwas ruhiger erleben möchte. Im Juli und August ist deutlich mehr los.

Unfiltered Tipp: Nicht versuchen, möglichst viel an einem Tag abzuhaken. Lieber einen Motorroller mieten, langsam über die Insel fahren und dort anhalten, wo es gerade gefällt.

Standort: Fährhafen Spilia auf Meganisi – auf Google Maps ansehen



Drei Dörfer mit ganz unterschiedlichem Charakter


Meganisi hat nur wenige größere Siedlungen, aber Vathy, Spartochori und Katomeri fühlen sich deutlich unterschiedlich an.


Vathy liegt tief in einer langen, geschützten Bucht. Kleine Lokale stehen unmittelbar am Wasser, Boote liegen direkt davor und besonders am Abend bekommt der Ort eine ruhige, fast romantische Atmosphäre. Gleichzeitig ist Vathy heute stark mit der Seglerszene verbunden. Zwischen kleineren Fischerbooten liegen Segelboote und Yachten, die Meganisi auf ihrer Fahrt durch das innere Ionische Meer anlaufen.


Spartochori liegt deutlich höher. Von mehreren Stellen im Dorf öffnet sich der Blick über das Meer, hinunter nach Spilia und weiter zu den kleinen Inseln zwischen Meganisi und Lefkada. Hinter diesen Aussichten beginnen schmale Gassen mit dicht stehenden Häusern, Treppen und kleinen Durchgängen. Der Fährhafen Spilia liegt direkt unterhalb des Dorfes.


Katomeri wirkt wieder anders. Es ist das administrative Zentrum der Insel und im alten Kern stellenweise extrem eng bebaut. Die Straßen winden sich zwischen den Häusern hindurch, manche Passagen wirken fast verschachtelt. Dadurch hat der Ort einen eigenen, deutlich weniger vom Hafen bestimmten Charakter.




Mit dem Motorroller über Meganisi


Ein Motorroller passt gut zu dieser Insel. Die Entfernungen sind kurz und zwischen den Dörfern zweigen immer wieder kleine Straßen zu Stränden und Küstenabschnitten ab. So lässt sich Meganisi langsam entdecken, ohne für jede kurze Strecke ins Auto steigen zu müssen.


Auch zu Fuß liegen einige Ziele näher beieinander, als man zunächst vermutet. Von Katomeri sind es beispielsweise nur rund 1,6 Kilometer bis Limonari, von Spartochori etwa 1,4 Kilometer hinunter nach Roka.


Bei unserem ersten Aufenthalt war auf vielen Straßen überraschend wenig Verkehr. Inzwischen wirkt es besonders während der Hauptsaison deutlich belebter. Wer ein paar Tage bleibt, kann trotzdem die ruhigeren Stunden am Morgen und am Abend erleben, wenn viele Tagesbesucher noch nicht da oder bereits wieder unterwegs sind.




Ammoglossa – ein Kieselstrand mit besonderer Form


Unter den Stränden gehörte Ammoglossa schnell zu den Plätzen, zu denen wir besonders gern zurückkehrten.


Schon die Form des Strandes ist ungewöhnlich. Die helle Kiesfläche schiebt sich sanft ins Meer hinaus und bildet dabei eine breite, flache Zunge. Genau daher stammt auch der Name: Ammoglossa bedeutet sinngemäß „Sandzunge“.


Wer bei diesem Namen allerdings einen klassischen Sandstrand erwartet, wird überrascht. Statt Sand findet man hier helle Kiesel und sehr klares Wasser. Vom Strand blickt man auf die bewaldeten Hänge und hinüber zu den kleinen Inseln im Kanal zwischen Meganisi und Lefkada.


Heute gibt es am Strand auch Liegen, Sonnenschirme und eine kleine Strandbar. Trotzdem wirkt Ammoglossa nicht wie ein großer organisierter Ferienstrand. Die Lage, das ruhige Wasser und die besondere Form des Ufers machen diesen Platz aus.




Strände, die nicht alle gleich funktionieren


Meganisi lebt weniger von einem einzelnen berühmten Strand als von seiner stark gegliederten Küste.


Fanari gehört inzwischen zu den besser organisierten Stränden. Agios Ioannis wirkt zurückhaltender, Limonari liegt unterhalb von Katomeri und Pasoumaki lässt sich sogar zu Fuß von Vathy erreichen. Andere kleine Küstenabschnitte sind nur mit dem Boot sinnvoll zugänglich.


Das passt zur Insel. An manchen Tagen fährt man mit einem bestimmten Ziel los, an anderen biegt man einfach irgendwo ab und schaut, wo die Straße endet.


Breite Sandstrände sind dabei nicht das typische Bild von Meganisi. Kiesel, kleine Buchten, Felsen und klares Wasser prägen große Teile der Küste.



Die Papanikolis-Höhle und eine hartnäckige Geschichte


Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Meganisi befindet sich an der Südwestküste. Die große Meereshöhle ist ungefähr 120 Meter lang, besitzt eine sehr große Öffnung und sogar einen kleinen Strand im Inneren. Erreichen lässt sie sich vom Wasser aus.


Bekannt ist sie heute vor allem als Papanikolis-Höhle. Fast überall wird erzählt, dass das griechische U-Boot Papanikolis sie während des Zweiten Weltkriegs als Versteck oder Stützpunkt genutzt habe.


Ganz so eindeutig ist die Geschichte allerdings nicht. Der Historiker Panagiotis Konidaris aus Meganisi weist darauf hin, dass klare Belege für einen Aufenthalt des U-Bootes in dieser Höhle fehlen. Möglicherweise wurde eine ältere Bezeichnung der Höhle später mit dem Namen Papanikolis verbunden.


Damit wird die Geschichte eigentlich interessanter als die übliche Reiseführerversion. Die Höhle existiert, das berühmte U-Boot ebenfalls – nur die Verbindung zwischen beiden bewegt sich irgendwo zwischen lokaler Überlieferung und historischer Unsicherheit.




Spuren, die viel weiter zurückreichen als Homer


Wer sich mit der Geschichte von Meganisi beschäftigt, landet schnell bei Homer. In der Odyssee treten die Taphier als seefahrendes Volk auf. Lokale historische Überlieferungen verbinden das antike Taphos mit dem heutigen Meganisi. Diese Verbindung gehört fest zur Inselgeschichte, sollte aber nicht mit einem archäologisch bewiesenen homerischen Schauplatz verwechselt werden.


Noch spannender sind die tatsächlich nachgewiesenen prähistorischen Spuren in dieser Inselwelt. Auf Meganisi und den umliegenden kleinen Inseln wurden zahlreiche Fundstellen untersucht.


Besonders eindrucksvoll ist die Panthera-Höhle auf dem kleinen Kythros gegenüber dem südlichen Meganisi. Dort weisen Steinwerkzeuge und Tierknochen auf Neandertalergruppen hin, die diese Region ungefähr zwischen 200.000 und 45.000 Jahren vor heute nutzten.


Damals lag der Meeresspiegel deutlich niedriger und die Landschaft sah völlig anders aus. Die kleinen Inseln, zwischen denen heute Segelboote fahren, waren nicht immer so voneinander getrennt wie heute.



Wie die heutigen Dörfer entstanden


Die heutigen Orte von Meganisi sind wesentlich jünger als diese frühen Spuren.


Nach der venezianischen Eroberung Lefkadas im späten 17. Jahrhundert wurden die Landverhältnisse auf Meganisi neu geordnet. Im frühen 18. Jahrhundert kamen Siedler unter anderem aus Akarnanien, Ithaka, Kefalonia und Lefkada. Aus verstreuten Hütten entwickelten sich schließlich zwei kleine Siedlungen: „Kato Meri“ und „Apano Meri“. Daraus entstanden das heutige Katomeri und Spartochori.


Damit lässt sich auch der Name Katomeri erklären: Er entwickelte sich aus „Kato Meri“, dem unteren Teil.


Über lange Zeit lebte die Insel von Landwirtschaft, Fischerei und dem Meer. Oliven, Getreide, Wein und Viehhaltung gehörten ebenso dazu wie Schifffahrt und Fischfang. Oberhalb von Katomeri standen mehrere Windmühlen. Eine davon, der Paliomylos, gehörte zeitweise der Familie des Dichters Aristotelis Valaoritis.


Viele dieser alten Strukturen sind heute nicht mehr Teil des täglichen Wirtschaftslebens, helfen aber zu verstehen, wie die Landschaft von Meganisi über lange Zeit geprägt wurde.



Eine Insel, die nicht nur vom Tourismus erzählt


Heute sind Segelboote, Ferienhäuser, Tavernen und Strände kaum von Meganisi wegzudenken. Trotzdem lohnt es sich, hinter diese moderne Seite zu schauen.


Mit der griechischen Revolution von 1821 ist die Insel unter anderem durch Dimos Tselios verbunden. Der 1785 in Spartochori geborene Freiheitskämpfer hieß eigentlich Dimos Ferentinos und wurde später als Dimotselios bekannt. Er nahm an zahlreichen Kämpfen der Revolution teil und gehörte zu den bekannten militärischen Persönlichkeiten seiner Zeit. In Spartochori erinnert heute eine Büste an ihn.


Auch kulturell steckt mehr in der Insel, als man bei ihrer Größe erwarten würde. In Katomeri und Spartochori entwickelte sich eine lange Tradition des Amateurtheaters. Zeitweise wurde der Eintritt nicht mit Geld bezahlt, sondern mit Brot, Öl, Käse oder dem, was die Menschen gerade entbehren konnten.


Solche Geschichten passen zu Meganisi. Vieles ist klein, lokal und leicht zu übersehen – und wird gerade dadurch interessant.




Wenn eine kleine Insel bekannter wird


Meganisi wird heute stärker wahrgenommen als noch vor einigen Jahren. Das zeigt sich besonders im Sommer. Mehr Boote kommen in die Häfen und auf den Straßen ist mehr Bewegung.


Die Insel ist dadurch nicht plötzlich laut oder hektisch geworden. Aber jene sehr stille Atmosphäre, die man vor einigen Jahren während der Hauptsaison noch fast selbstverständlich erleben konnte, findet man heute nicht mehr überall in gleicher Form.


Die ruhigeren Monate bekommen dadurch ihren eigenen Reiz. Der Charakter von Meganisi liegt weniger in einzelnen Höhepunkten als in den kurzen Entfernungen, den drei unterschiedlichen Dörfern, den Blicken über das innere Ionische Meer und in dem Gefühl, einen Ort nach erstaunlich kurzer Zeit wiederzuerkennen.


Wer nach einiger Zeit erneut mit der Fähre von Nidri hinüberfährt, erlebt deshalb etwas Besonderes. Die Insel taucht langsam wieder vor einem auf, Spilia kommt näher und vieles wirkt plötzlich bekannt.


Dann fühlt sich die Überfahrt nicht mehr nur nach einer Reise auf eine kleine Insel an, sondern ein bisschen wie eine Rückkehr.




Praktische Hinweise für deinen Besuch


Anreise: Die Autofähre Meganisi II verbindet Nidri auf Lefkada mit Spilia unterhalb von Spartochori. Die Überfahrt dauert ungefähr 20 bis 25 Minuten. Autos und Motorräder können mitgenommen werden. Die Zahl der Verbindungen variiert je nach Jahreszeit, deshalb sollte man vor der Fahrt immer den aktuellen Fahrplan prüfen.

Unterwegs auf der Insel: Ein kleiner Mietwagen funktioniert gut, besonders angenehm lässt sich Meganisi aber mit einem Motorroller erkunden. Die Entfernungen zwischen den Dörfern und vielen Stränden sind überschaubar.

Zu Fuß: Einige Verbindungen zwischen Dörfern, Stränden und Küste lassen sich gut laufen. Im Sommer sollte man wegen der Hitze und des teilweise fehlenden Schattens genügend Wasser dabeihaben.

Strände: Viele Strände bestehen aus Kieseln oder einer Mischung aus Kies und Steinen. Die Bedingungen unterscheiden sich jedoch von Strand zu Strand.

Boot: Für die Papanikolis-Höhle und einige abgelegenere Küstenabschnitte braucht man ein Boot oder einen organisierten Bootsausflug.

Hauptsaison: Im Juli und August ist deutlich mehr los. Wer vor allem Ruhe sucht, ist außerhalb der Hauptferienzeit meist besser aufgehoben.

Aufenthaltsdauer: Meganisi funktioniert auch als Tagesausflug. Die besondere Atmosphäre der Insel erschließt sich jedoch besser, wenn man mindestens ein paar Nächte bleibt.



Mehr rund um Lefkada und die Ionische Küste entdecken


Wenn du nach Meganisi noch mehr von Lefkada und der umliegenden Ionischen Küste entdecken möchtest, passen diese Beiträge gut dazu:


Noch mehr Fotos, Videos und kleine Eindrücke aus Griechenland findest du auf Instagram und Facebook.

 
 
 

Kommentare


bottom of page