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Kokkinopilos bei Preveza – rote Erde, Erosion und Spuren der Altsteinzeit

vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit
Rote Hügelformationen von Kokkino Pilos inmitten einer dicht bewaldeten Berglandschaft.


Eine Landschaft, die plötzlich nicht mehr nach Epirus aussieht


Schon der erste Blick auf Kokkinopilos wirkt ungewöhnlich. Zwischen bewaldeten Hügeln und dichter grüner Vegetation tauchen plötzlich rote, weich geformte Rücken, kleine Täler und ausgewaschene Rinnen auf. Obwohl wir vorher wussten, was uns ungefähr erwartet, war der Anblick vor Ort noch einmal etwas anderes.


Wir waren Ende Mai dort. Kurz zuvor hatte es kräftig geregnet, und der rote Boden war noch entsprechend feucht. Dadurch wirkte er auf uns deutlich dunkler als auf vielen Fotos, die Kokkinopilos bei trockenem Wetter zeigen.


Je weiter wir hineingingen, desto unwirklicher wurde die Landschaft. Nicht, weil sie vollkommen kahl wäre – im Gegenteil. Bäume und Sträucher wachsen zwischen den roten Formationen, dahinter beginnen wieder die grünen Hügel. Gerade dieser Kontrast macht Kokkinopilos so besonders.



Kurzinfo: Kokkinopilos bei Preveza


Ort: Gemeinde Ziros, Regionalbezirk Preveza, Epirus

Ideal für: ungewöhnliche Landschaften, Geologie, Geschichte, Fotografie und Spaziergänge

Gut zu wissen: Die Farbe des Bodens kann je nach Wetter und Feuchtigkeit deutlich unterschiedlich wirken. Nach Regen erscheint das Rot dunkler, bei trockenem Boden meist wesentlich kräftiger.

Beste Zeit: Frühjahr oder Herbst sind für einen längeren Rundgang besonders angenehm.

Unfiltered Tipp: Nicht nur auf die roten Hügel achten. Besonders die freigespülten Wurzeln der Bäume zeigen eindrucksvoll, wie stark die Erosion diese Landschaft bis heute verändert.

Standort: Kokkinopilos bei Filippiada – auf Google Maps ansehen



Warum der Ort Kokkinopilos heißt


Auf Google Maps kann man für das Gebiet auch auf die Bezeichnung „Kokini amos“ stoßen. In offiziellen regionalen Informationen und in der wissenschaftlichen Literatur heißt der Ort jedoch Kokkinopilos – Κοκκινοπηλός.


Der Name beschreibt den Boden ziemlich genau. Das griechische Wort πηλός bezeichnet Lehm oder Ton; Kokkinopilos lässt sich sinngemäß als „roter Lehm“ verstehen.


Die intensive Färbung hängt mit Eisenoxiden im Boden zusammen. Sie geben den Ablagerungen ihre charakteristischen Rot- und Rosttöne.




Woher kommt diese rote Landschaft?


Kokkinopilos liegt in einer von geologischen Verwerfungen begrenzten Senke. Geoarchäologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich hier früher zeitweise ein flacher See oder Feuchtbereich befand, der immer wieder teilweise oder vollständig austrocknete. Dabei lagerten sich über sehr lange Zeiträume feine Sedimente ab.


Was man heute sieht, ist deshalb nicht einfach eine Ansammlung roter Hügel, die schon immer genau so ausgesehen hat.


Regen, abfließendes Wasser und Erosion haben den weichen Boden immer weiter eingeschnitten. So entstanden die kleinen Rücken, Furchen und Rinnen, die Kokkinopilos heute prägen. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen – die Oberfläche verändert sich weiterhin.



Bäume, die sich am roten Boden festhalten


Fast genauso faszinierend wie die roten Formationen fanden wir einige der Bäume.


An manchen Stellen wurde durch die Erosion so viel Erde abgetragen, dass große Teile ihrer Wurzeln völlig frei liegen. Einige scheinen sich mit einem ganzen Geflecht aus kräftigen Wurzeln am verbliebenen Boden festzuhalten.


Von der Seite sehen diese freigelegten Wurzeln fast wie kleine Kunstwerke aus.


Gleichzeitig machen sie unmittelbar sichtbar, was hier passiert. Der Boden unter ihnen ist verschwunden, während die Bäume weiterwachsen. Gerade an diesen Stellen wird deutlich, dass Kokkinopilos keine unveränderliche Landschaft ist.




Menschen waren hier schon in der Altsteinzeit


Unter der ungewöhnlichen Oberfläche steckt noch eine zweite Geschichte.


Kokkinopilos gehört zu den bedeutenden paläolithischen Freilandfundstellen Griechenlands. Bekannt wurde der Fundplatz durch archäologische Untersuchungen in den frühen 1960er-Jahren. Seitdem wurden hier Tausende bearbeitete Steine und Werkzeuge aus verschiedenen Phasen der Altsteinzeit gefunden.


Besondere Aufmerksamkeit erhielten mehrere bifazial bearbeitete Steinwerkzeuge, darunter Faustkeile.


Lange wurde darüber diskutiert, ob solche Funde noch an ihrer ursprünglichen Position lagen oder durch Erosion innerhalb des Gebietes verlagert worden waren. Neuere Untersuchungen konnten jedoch zeigen, dass sich in Kokkinopilos auch weitgehend ungestörte Sedimentschichten mit paläolithischen Werkzeugen erhalten haben.


Einige dieser Schichten reichen weit in das mittlere Pleistozän zurück. Damit liefert Kokkinopilos wichtige Hinweise auf eine sehr frühe menschliche Nutzung des Gebietes im heutigen Griechenland.


Zwischen diesen roten Hügeln bewegt man sich also in einer Landschaft, die bereits vor weit über 100.000 Jahren von Menschen genutzt wurde.



Damals sah Kokkinopilos noch anders aus


Dabei sollte man sich die heutige Landschaft nicht einfach in die Altsteinzeit zurückdenken.


Die roten Ablagerungen sind sehr alt, doch ihre heutige Oberfläche entstand erst nach und nach. Wasser verlagerte Sedimente, Erosion schnitt Rinnen in den Boden und aus einer ursprünglich wesentlich gleichmäßigeren Senke entwickelte sich die stärker zerfurchte Landschaft, die man heute sieht.


Menschen, die hier während der Altsteinzeit unterwegs waren, blickten deshalb nicht auf exakt dieselben kleinen roten Hügel und Rinnen wie wir heute.


Das macht Kokkinopilos noch interessanter: Der Ort erzählt nicht nur von einer sehr alten Landschaft, sondern auch davon, wie stark sich Landschaft über lange Zeiträume verändern kann.



Unter Kokkinopilos verläuft das Aquädukt von Nikopolis


Noch eine weitere Epoche steckt unter dem roten Boden.


Das römische Aquädukt von Nikopolis transportierte Wasser über eine Strecke von rund 50 Kilometern von den Quellen des Louros bis nach Nikopolis. Auf diesem langen Weg mussten die römischen Baumeister sehr unterschiedliche Geländeformen überwinden.


Im Bereich von Kokkinopilos entschieden sie sich für einen Tunnel. Das Aquädukt durchquert das Gebiet unterirdisch und verbindet damit die ungewöhnliche Landschaft mit einem bedeutenden römischen Bauprojekt der Region.


Interessant ist auch, dass erhaltene Schächte des Aquädukts Forschern Hinweise darauf geben, wie stark sich die Oberfläche von Kokkinopilos seit der Römerzeit verändert hat.


Wer unseren Beitrag über das römische Aquädukt von Nikopolis kennt, begegnet hier also einem weiteren Abschnitt desselben Bauwerks.



Unser Weg nach Kokkinopilos


Wir kamen aus Richtung Romia und fuhren zunächst an Ziropoli vorbei. Von dort ging es am Rand von Kokkinopilos weiter bis zu dem Punkt, an dem wir das Auto abstellten. Den restlichen Weg gingen wir zu Fuß in die rote Landschaft hinein.


Kokkinopilos lässt sich von verschiedenen Seiten erreichen. Auch die Gegend um Agios Georgios und das römische Aquädukt wird in offiziellen Beschreibungen als Ausgangspunkt genannt. Gemeint ist dabei jedoch kein direkter Zugang vom Dorf in die roten Hügel; von dort führt ein Fußweg weiter in Richtung Kokkinopilos.


Wie weit man auf den unbefestigten Wegen mit dem Auto fahren kann oder sollte, hängt vom jeweiligen Zustand der Strecke ab. Deshalb würden wir aus unserer eigenen Fahrt keine allgemeingültige Anfahrtsbeschreibung machen.




Zwischen roter Erde und dichtem Grün


Am stärksten beeindruckt hat uns der Kontrast. Roter Boden liegt zwischen dichtem Grün, kleine Hügel gehen in ausgewaschene Rinnen über und dazwischen stehen Bäume, deren freigespülte Wurzeln sich sichtbar an der Erde festhalten.


Kokkinopilos wirkt auf den ersten Blick beinahe surreal. Gleichzeitig liegt die rote Landschaft eingebettet zwischen den bewaldeten Hügeln der Umgebung.


Wir haben bei unserem ersten Besuch längst nicht das gesamte Gebiet gesehen. Trotzdem war schon dieser Teil genug, um zu verstehen, warum Kokkinopilos so ungewöhnlich wirkt.



Praktische Hinweise für deinen Besuch


Zugang und Auto: Kokkinopilos ist nicht wie eine klassische Sehenswürdigkeit erschlossen. Wie weit man über Wald- und Feldwege fahren kann, hängt vom aktuellen Zustand der Strecke ab; den letzten Abschnitt legt man je nach Route zu Fuß zurück.

Nach Regen: Der lehmige Boden kann sehr weich, rutschig und klebrig werden.

Schuhe: Schuhe mit gutem Profil sind für das unebene Gelände sinnvoll.

Hunde: Bei unserem Besuch hörten wir immer wieder Hunde, begegnet sind wir allerdings keinem. In der ländlichen Umgebung können Hof- oder Herdenschutzhunde vorkommen.

Gelände: Die roten Formationen werden durch Erosion ständig verändert. An steileren Rinnen und ausgewaschenen Kanten sollte man deshalb auf den Untergrund achten.

Kombination mit dem Ziros-See und dem Aquädukt: Kokkinopilos lässt sich gut mit einem Abstecher zum nahe gelegenen Ziros-See verbinden. Die Entfernung liegt bei ungefähr acht Kilometern. Auch ein sichtbarer Abschnitt des römischen Aquädukts von Nikopolis bei Agios Georgios liegt in der Umgebung und lässt sich gut mit dem Besuch verbinden.



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